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Zur Geschichte des Miesbacher Pfarrkindergartens

aus: Alexander Langheiter, Miesbach – Ein Kulturführer (s. 113 – 114)

Der älteste und größte der vier Miesbacher Kindergärten ist der Pfarrkindergarten Miesbach in der Kolpingstraße. Bis 1971 war er der einzige im heutigen Stadtgebiet. Gegründet wurde er bereits 1870 unter dem Namen „Kleinkinder-Bewahranstalt“ von Josephine Mayr, die dabei von Pfarrer Freytag Unterstützung fand. Die Anstalt befand sich zunächst in der Nähe des damaligen Gemeindehauses (Rathausstraße 2) im ehem. Schützenhaus, das vordem auch als Wohnhaus der Ratsdiener fungiert hatte.

Da der Kindergarten hier völlig unzureichend untergebracht war, wurde er beim Neubau des Rathauses (Rathausplatz 1) in das alte Gemeindehaus verlegt. Auch diese Lösung konnte auf Dauer nicht tragbar sein und so konstituierte sich am 29.03.1884 im Rathaus ein Trägerverein. Da die Marktgemeinde das Gemeindehaus allerdings nicht dem Kindergarten überschreiben wollte, erwarb der Verein mit Unterstützung de Bergwerks und Fritz von Weidenbachs das ehem. Bräumeister Winkler-Haus (ehem. Schmidner) an der jetzigen Frühlingstraße und baute es für die Zwecke des Kindergartens um. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte es zum Besitz des Johann Andes, der das Unterleder-Anwesen besaß (heute Eichermüller, Ledererstr. 11), gehört. Das Bergwerk engagierte sich besonders in der Kindergartenfrage, weil die überwiegende Zahl der damals betreuten Kinder aus Familien der Bergwerksangehörigen stammte.

Die Eröffnung des neuen, nun allgemein gewürdigten Kindergartens nahm man am 30.10.1884 vor. Die Trägerschaft ging in der Folge an die Katholische Kirchenstiftung über, die 1915 die Leitung des Kindergartens an die Armen Schulschwestern (Münchner Str. 7) übertrug. Anlass war das 50-jährige Wirken der Kongregation in Miesbach. Unter den Ordensfrauen erfolgte 1920 der Umzug in die Kolpingstraße (heutiger Altbau). Nachdem das alte Gebäude in der Frühlingstraße noch bis 1944 als Bezirkssparkasse gedient hatte, wurde es wenig später abgerissen, um für den Neubau der Kreissparkasse Platz zu machen (Bahnhofplatz 2 – 4).

Die Klosterschwestern hatten noch bis 2005 die Leitung des Kindergartens inne, unter ihnen lange Jahre Sr. Dagila und Sr. Helga. Allerdings hatten sie währen der Nazizeit eine harte Prüfung zu erdulden, als ihnen am 01.05.1939 der Kindergarten entzogen wurde. Schon 1937 war ihnen der Schuldienst untersagt worden. Erst nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs konnten sie ihre segensreiche Tätigkeit wieder aufnehmen.

Der Pfarrkindergarten ist heute auf zwei Gebäude verteilt, den Altbau (Hausnummer 13) und den Neubau (Hausnummer 22). Der schöne Altbau entstand bereits in den 1860er Jahren als Wohnhaus. Vor dem Ersten Weltkrieg lebten hier Bürgermeister Feichtner und sein Bruder Max Feichtner. 1922 und 1977 umgebaut, erhielt der Kindergarten-Altbau 1958 den südlichen Anbau. Der Neubau ist teils im Garten des Pfarrzentrums (Kolpingstraße 22) und teils im Garten des damaligen Benefiziatenhauses (Kolpingstraße 24) in den Jahren 1970-71 nach den Plänen von Architekt Friedl Wegmann erbaut worden. Die Einweihung des Neubaus nahm am 01.07.1972 Weihbischof Schwarzenböck vor.

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